Über den Umgang mit unerwünschten Pressemitteilungen

(Bernd Sterzl / pixelio.de)
(Bernd Sterzl / pixelio.de)

Fast jeden Tag erhalte ich Pressemitteilungen per E-Mail – manchmal ist es nur eine, manchmal zähle ich sie schon gar nicht mehr. In 99% der Fälle sind es Mails, die mir ungefragt zugeschickt werden. Was ansich nicht allzu schlimm wäre, hätten die Themen wenigstens ansatzweise etwas mit meiner Arbeit zu tun. Haben sie aber nicht. Es geht um neue Reiseangebote, um Wein, um Ehrenämter. Ab und zu möchte auch jemand einfach nur so mal in die Presse.

Zu diesem Zweck wird, so stelle ich mir das vor, ein/e unbezahlte/r PraktikantIn dazu abgestellt, sämtliche E-Mail-Adressen auf Presseportalen abzuschreiben, damit man möglichst viele Leute „bei der Presse“ erreicht. Dass am anderen Ende, also bei mir, aber wahrscheinlich kein/e unbezahlte/r PraktikantIn sitzt, um den halben Tag lang ungefragt zugeschickte Pressemitteilungen zu lesen, überlegen sich anscheinend nur wenige.

Ungelesen in den Müll oder antworten?

Was also tun gegen den zunehmenden Schwung an unerwünschten Pressemitteilungen? Soll man sie ungelesen in den Papierkorb werfen oder soll man antworten und um Streichung aus der Mailingliste bitten? Früher habe ich noch versucht, herauszufinden, wie die AbsenderInnen an meine E-Mail-Adresse geraten sind. Ich habe nie auch nur eine Antwort erhalten. Von manchen erhalte ich bis heute Pressemitteilungen, obwohl ich schon mehrfach darum gebeten habe, aus dem Verteiler gestrichen zu werden.

Wenn ich das Gefühl habe, da sitzt jemand völlig Ahnungsloses, mache ich mir auch die Mühe und weise freundlich darauf hin, dass es doch nett und für beide Seiten von Vorteil wäre, wenn man sich vorher mal erkundigen würde, ob das eigene Thema überhaupt zum Portfolio der Journalistin passt, die man da anschreibt. Darauf habe ich nur ein einziges Mal eine (immerhin einsichtige) Antwort erhalten. Wenn dort aber ein Profi sitzt, der es besser wissen müsste, dann macht mich das einfach nur wütend.

In den Müll damit! Und ich verpasse trotzdem nichts.

Heute schreibt mir schon wieder ein PR-Mensch:

Sehr geehrte Frau Vogel,

wir freuen uns sehr, Sie in den Presseverteiler von … hinzugefügt zu haben. […] Sollten Sie kein Interesse an diesen News haben oder Sie einen Kollegen kennen, für den diese Informationen ebenfalls geeignet sind, sagen Sie uns doch bitte Bescheid.

Na klar! Warum nicht? Ich hab‘ ja auch sonst nichts zu tun.

Nein, jetzt reicht’s. In Zukunft werde ich all diese Mails ungelesen löschen und die Verteiler auf die Spamliste setzen. Wer sich noch nicht einmal die Mühe macht, dort, wo sie oder er meine Mail-Adresse abschreibt, nachzuschauen, ob ich überhaupt eine passende Ansprechpartnerin für dieses Anliegen bin, dem werde ich keine Zeit mehr schenken, um die ungefragt zugesandte Mail auch nur zu lesen.

Sorge, dass mir dabei irgendwelche tollen Geschichten durch die Lappen gehen, habe ich nicht. Wer ein zu mir passendes Thema hat, wird mich ganz persönlich anschreiben und es nicht über einen Presseverteiler in die Welt trompeten. Aber die, die dann im Junk-Ordner landen, haben sich die Mühe umsonst gemacht. Selbst schuld.

Birte Vogel

Ich bin freie Journalistin & Autorin, schreibe Sachbücher (selbst und als Ghostwriterin) und coache Unternehmer_innen von der Idee bis zum fertigen Buch (auch hier vor Ort auf Amrum). Und ich berate Journalist_innen, wie sie aus ganz guten Porträts herausragende machen können.
Kontakt:
Tel.: 04682 – 96 842 37
E-Mail: vogel[at]nordsee-text.de

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