Wer macht den Journalismus kaputt? (Text: Birte Vogel, Foto: rawpixel/Pixabay)

Wer macht den Journalismus kaputt?

Immer wieder ist die Rede davon, dass der Journalismus in den Tageszeitungen vor die Hunde geht. Dass Artikel belangloser werden. Dass Zeitungen Abonnent_innen verlieren. Dass Werbepartner_innen abspringen. Dass Kolleg_innen entlassen werden. Das Internet ist schuld! Die Journalist_innen sind selbst schuld! Die nicht mehr werbenden Firmen sind schuld! Aber wer macht denn nun wirklich den Journalismus kaputt?

Wer macht den Journalismus kaputt? (Text: Birte Vogel, Foto: rawpixel/Pixabay)

Journalismus bedeutet: Themen aufspüren zu können, die Fakten dazu zu recherchieren, interessante und wichtige Blickwinkel und Verbindungen zu finden, Menschen zum Thema zu befragen, alle Informationen bewerten und einordnen zu können, sich dementsprechend breit gebildet zu haben und weiterhin zu bilden, am Thema dranzubleiben, falls es Veränderungen gibt, über frühere Geschehnisse und Aussagen im Bild zu sein, um diese gegebenenfalls in Relation zum Heute zu setzen, und schließlich einen lesbaren, verständlichen Text zu schreiben, der das Thema von allen relevanten Seiten beleuchtet, sodass Leser_innen breit informiert und in der Lage sind, sich ihre eigene Meinung bilden zu können.

Seit einigen Jahren bedeutet Journalismus außerdem immer öfter: selbst Fotos zum eigenen Text zu machen und für Druck und Internet aufzubereiten, Bildunterschriften zu schreiben, den Text zusätzlich auch fürs Internet aufzubereiten, alle Texte selbst korrekturzulesen und das Ganze dann eigenhändig ins Redaktionssystem einzupflegen.

Fünf Jobs in einem. Ohne einen Cent mehr Honorar.

Mehr Arbeit, mehr Verantwortung, selbes Geld

Journalismus bedeutet längst auch: Termine von Kolleg_innen zu übernehmen, die entlassen wurden, also mehr Fakten zu recherchieren, mehr Menschen zu befragen, mehr Texte zu schreiben, mehr Fotos zu den Texten zu machen, mehr Fotos aufzubereiten, mehr Texte aufzubereiten, mehr korrekturzulesen und mehr Texte einzupflegen.

Noch mehr Arbeit, noch mehr Verantwortung in derselben Arbeitszeit wie zuvor und meistens ohne für die Mehrarbeit bezahlt zu werden.

Für freie Journalist_innen kommt zu all dem hinzu: sich Tippgeber_innen und Informant_innen warm zu halten, Themen anzurecherchieren, passende Redaktionen für sie zu finden, dort die richtigen Ansprechpartner_innen zu finden, mit denen dauerhaft in Kontakt zu bleiben, ihnen die Themen auf das Medium zugeschnitten vorzuschlagen, mehrfach nachzuhaken, wenn die sich nicht zurückmelden (weil s. o.), bei Nichtgefallen oder Nichtantwort andere Redaktionen zu finden, dafür herumzutelefonieren, sich auf die teils sehr unterschiedlichen Anforderungen der Redaktionen einzustellen (was die eine toll findet, lehnt die andere ab), sich jedesmal neu überlegen zu müssen, wem sie das Thema noch als Zweit-, Dritt- und Viertverwertung anbieten können, wie sie dafür zusätzliche Informationen finden und recherchieren können, dann dort das Thema anzupreisen und den Text jeweils an das Medium noch einmal anzupassen. Und dann ist die Buchhaltung noch nicht gemacht, die Steuerklärung auch nicht, die Kamera muss gereinigt, der Computer aktualisiert und das Auto repariert und durch den TÜV gebracht werden.

„Der Journalismus hat den rechtlichen Auftrag, eine Kritik- und Kontrollfunktion in der Gesellschaft wahrzunehmen: also Missstände aufzudecken, Gegebenheiten zu hinterfragen und Kritik zu üben.“ (Zeit.de)

Klingt doll, oder? Diese Verantwortung! Diese Macht! Daher kam dann wohl auch mal die Bezeichnung „vierte Macht im Staate“. Nur, dass die dem Journalismus schon vor Jahren weitgehend abhanden gekommen ist. Doch warum ist das so?

Weil es diesen hehren Journalismus bei Tageszeitungen kaum noch gibt.

Freier Journalismus ist zum Sklav_innenmarkt geworden

Kleine Zwischenfrage: Würden Sie für 4-5 Euro brutto pro Stunde arbeiten? Wenn ja, welche Tätigkeiten wären Sie bereit für dieses Geld zu übernehmen? Und was meinen Sie, in welchem Job, mit welcher Ausbildung, welchen Fachkenntnissen und welchen Anforderungen Sie damit rechnen sollten, für genau dieses Geld arbeiten zu müssen?

Heißer Tipp: siehe oben.

Freier Journalismus ist zum Sklav_innenmarkt geworden. Viele, teils uralte Traditionszeitungen wurden längst aufgekauft von irgendwelchen Medienungetümen, die mittlerweile riesige Landstriche in Deutschland beherrschen – Vielfalt und Qualität wird dem Gewinn geopfert.

Die Redaktionen dieser Lokalzeitungen wurden – wenn die Zeitungen nicht gleich ganz eingestellt wurden – auf ein Miniteam zusammengeschrumpft, das nur noch lokal schreiben darf. Alles andere, von regional bis international, kommt fast nur noch von Agenturen und irgendwelchen „Zentralredaktionen“, deren Arbeit aber meist demselben Druck und nicht viel besseren Bedingungen unterworfen ist als denen, die ich oben beschrieben habe. Zeit für Recherche, um Wahrheiten, Hintergründe und Verbindungen zu erforschen, um Misstände über die skandalträchtige Überschrift hinaus aufzudecken, haben sie alle nicht mehr.

Lokale Honorare der Freien liegen weit unter dem Mindestlohn

Diese Lokalzeitungen erwarten heute von freien Journalist_innen, Artikel für Honorare weit unter dem Mindestlohn zu liefern (der Angestellten zusteht, Freiberufler_innen aber nicht). Zweit-, Dritt- und Viertverwertung eines Themas ist im Lokalen als Zuverdienstmöglichkeit meist ausgeschlossen, denn wer, außer dem Hintertupfinger Tageblatt, soll sich für eine Scheckübergabe von 100 Euro an die Hintertupfinger KiTa interessieren oder für die Spielergebnisse der Hintertupfinger Fußballflöhe?

Eine Lokalzeitung, der ich vor längerer Zeit meine freie Mitarbeit anbot, bekam ihre Lokaltexte von freien Journalist_innen und von Bürger_innen, die von Journalismus keine Ahnung haben, die auch nicht von dieser Arbeit leben müssen, aber mit viel Spaß, Herz und Lokalpatriotismus bei der Sache sind. Manche schon seit vielen Jahren.

So weit, so alltäglich in der deutschen Zeitungslandschaft.

Ich schlug nun dieser Zeitung ein aktuelles bundesweites Thema mit großer Relevanz fürs alltägliche Leben vor, heruntergebrochen auf die lokalen Begebenheiten – mit lokalen Daten, Fakten, Aussagen und Auswirkungen.

Denn ich habe Spaß an dieser Arbeit – sie ist vielseitig, hochinteressant und sie ist wichtig, weil sie die Leser_innen aufklärt, weil sie ihnen (und mir selbst dabei ja auch) unsere komplexe Welt etwas verständlicher macht und aus ihnen informierte Menschen macht. Gerade in Zeiten, in denen so viele einfach alles glauben, was so im Internet herumsteht, halte ich diese Arbeit für eins der wertvollsten Dinge, die eine Gesellschaft ihren Bürger_innen bieten kann und sollte.

Honorar: 31 Euro brutto für 6 ½ Stunden Arbeit

Die Zeitung wollte das Thema haben. Und meine Arbeit für diesen Artikel sah dann so aus:

  • Vorgespräch mit Fachmann: 15 Minuten,
  • Vorrecherche: 15 Minuten,
  • Themenvorschlag geschrieben und an die Redaktion versendet: 5 Minuten,
  • Einarbeitung ins Thema, Recherche, Befragung von Fachleuten auf Bundes- und Landesebene, Verifizierung der in der bundesweiten Presse genannten Daten und Fakten, Vorbereitung auf das lokale Interview: 1,5 Stunden,
  • Interview mit Fachmann geführt: 45 Minuten,
  • Fototermin: 1 Stunde,
  • nachbereitende Recherche zur Verifizierung der vom Fachmann erwähnten neuen Fakten: 20 Minuten,
  • Informationen und Interview aufbereitet, Text konzipiert, geschrieben, redigiert, gekürzt und korrigiert: 1,75 Stunden,
  • mehrere Fotos ausgewählt, für den Druck und das Internet bearbeitet: 20 Minuten,
  • Bildunterschriften geschrieben: 8 Minuten,
  • Text & Fotos an die Redaktion versendet: 2 Minuten.

Summe: 6 Stunden, 25 Minuten.

Honorar für den gesamten Text: 9 Cent pro gedruckter Zeile = 13 Euro.

Honorar für ein Foto: 18 Euro.

Gesamthonorar: 31 Euro. Brutto.

In Worten: einunddreißig. Für knapp 6 ½ Stunden Arbeit. Sie haben richtig gelesen.

Für 31 Euro unbegrenzte Rechte für unbegrenzte Zeit

Mit dieser Summe zahlt der Verlag nicht nur für das Recht, Text und Foto in der gedruckten Zeitung zu veröffentlichen. Mit dieser Summe ist auch das Recht abgegolten, Text und Foto auf unbegrenzte Zeit im Internet zu nutzen, sie anderen Redaktionen des Verlagshauses bei Interesse honorarfrei für Druck und Internet zur Verfügung zu stellen, und alles andere damit zu tun, was ihnen noch so einfällt, ebenfalls ohne Honorar für mich, die Urheberin.

Von diesen 31 Euro muss ich anteilig Folgendes bezahlen: Büromiete, Telefon, Internet, Anschaffung und Instandhaltung von Computer, Software (-updates) und Kamera, Strom, Heizung, Büromaterial, Büromobiliar. Außerdem Steuern, diverse Versicherungen, darunter Kranken-, Renten- und Berufshaftpflichtversicherung, Autofahrten zu Interview- und Fototerminen, Autoreparaturen, TÜV, Mitgliedschaften in Berufsnetzwerken und Verbänden, Fortbildungen, Ausfallzeiten sowie die Anfahrt und Teilnahme an Redaktionssitzungen von lokalen Medien, denn sonst gehört man ja nicht zum Team und bekommt auch keine Aufträge ab.

Von dem, was übrig bleibt, muss ich leben, also Miete zahlen, Strom, Heizung, Lebensmittel, Kleidung, Geräte-Reparaturen oder -Neukauf, Telefon, Bücher, Medikamente und eine zusätzliche Rentenversicherung, weil die staatliche niemals ausreichen wird. Theoretisch sollte ich auch ein Polster zur Vorsorge für schlechte Zeiten anlegen können.

Von 4,83 Euro brutto pro Stunde. Raten Sie mal, wer bei solchen Honoraren weder krank sein noch Urlaub machen kann. Geschweige denn jemals in Rente wird gehen können.

Wer also macht den Journalismus kaputt?

Wenn Sie sich nun immer noch fragen, wer den Journalismus kaputt macht, dann sind es eben nicht die freien Journalist_innen, die es selbst bei solcher „Bezahlung“ nicht vor sich selbst und vor ihren Leser_innen verantworten können, nur genau das abzuliefern, was bezahlt wird: einen Fliegendreck.

Es sind auch nicht die freien Journalist_innen, die nach Kräften darum kämpfen, angemessen bezahlte Aufträge zu bekommen, all die vielen Aufgaben zu bewältigen und dann immer noch Zeit für Erholung, Gesunderhaltung, Familie und Freund_innen zu haben.

Nein, den Journalismus machen jene Personen in den Verlagen kaputt, die es angemessen finden, all den gut bis extrem gut ausgebildeten freien Journalist_innen weniger als einen Hungerlohn zu zahlen. Die ganz ernsthaft für diesen Fliegendreck journalistische Qualität verlangen und all die oben erwähnten Dinge, weil man sonst halt keine Aufträge mehr bekommt. Denn die Bürgerjournalist_innen, die Rentner_innen, die Schüler_innen stehen schließlich schon Schlange für diesen spannenden, abwechslungsreichen und wichtigen Job.

Sie glauben nicht, dass wirklich allen Ernstes irgendwer für 4,83 Euro beste journalistische Qualität verlangen könnte? Dann passen Sie mal auf.

„Der schönste Beruf der Welt“ mit „ganz wunderbaren Perspektiven“!

Die oben erwähnte Lokalzeitung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Dessen Präsident Mathias Döpfner sagte 2016 in einem Interview:

Die Vertriebswege, die Darstellungsformen, die Arbeitsweisen ändern sich – und vieles mehr. An inhaltlichen Qualitätsstandards und unseren Werten halten wir jedoch fest. Je besser man weiß, was man bewahren will, desto besser kann man sich radikal verändern. Und mit dieser Haltung haben wir unseren Mitarbeitern in den letzten Jahren sehr viele Veränderungen zugemutet. Wenn es so etwas gibt [wie] den „Veränderungsmuskel“, dann ist der bei uns besonders gut trainiert. Gestählt wie im Fitnessstudio. Weil wir uns kontinuierlich verändern, ist es für uns nicht mehr so schockierend, wenn es schon wieder nötig ist. Und die Mitarbeiter haben natürlich auch gelernt, dass sie für Veränderungen belohnt werden.

Mit Belohnung meint er wahrscheinlich die 4,83 Euro brutto pro Stunde.

Jungen Journalist_innen gegenüber sagte Döpfner 2016, der journalistische Beruf sei

„der schönste Beruf der Welt“ [mit] „ganz wunderbaren Perspektiven“.

Er sagte weiter:

„Ich möchte, dass Journalismus wichtig in unserer Gesellschaft ist und ein gutes Geschäft bleibt. Ein Geschäftsmodell in der digitalen Welt zu haben, dafür möchte ich mit aller Kraft kämpfen. […] Lassen Sie sich von niemandem einreden, dass es jetzt schwierig geworden ist, weil es neben den Zeitungen auf Papier [auch] digitale Vertriebswege gibt und dort angeblich alles oberflächlich und schlechter Journalismus ist.“

Ich fasse zusammen: Journalismus ist der schönste Beruf der Welt mit wunderbaren Perspektiven, und es ist kein bisschen schwierig geworden.

Exzellenz und inhaltliche Qualität – für 4,83 Euro/h

In seiner Antrittsrede als BDZV-Präsident sagte Döpfner ebenfalls 2016:

Ich will, dass Journalismus eine Zukunft hat. Ich möchte, dass Verlage auch in der digitalen Welt noch eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle spielen. Und ich werde deshalb dafür kämpfen, dass Verlage auch im Jahr 2050 noch ein gesundes und attraktives Geschäftsmodell haben. Ohne Geschäftsmodell keine gesellschaftspolitische Rolle. Und die ist wichtig. Denn eine Demokratie braucht unabhängige, kritisch recherchierende Journalisten. […]

Was also ist unser Geschäft? Ich meine: Zeitungsjournalismus. Unabhängige, kritische Recherche und relevante Information sowie gute Unterhaltung. Verantwortliche Absenderschaft. Und dieses Geschäft hat in der digitalen Welt seine besten Zeiten vielleicht noch vor sich. […]

Was bleibt ist: Exzellenz der Sprache, der Recherche, der Gedanken. Inhaltliche Qualität. […]

Ja, genau.

Und zwar für 31 Euro brutto für 6:25 Stunden Arbeit. Und glauben Sie mal nicht, dass diese 31 Euro die schlimmstmögliche Ausnahme sind. Honorare wie diese sind mittlerweile im Lokalen die Regel.

Die Vergütungsregeln für Freie, die die Journalist_innenverbände einst mit Döpfners Bund der Zeitungsverleger ausgehandelt hatten, und die freien Journalist_innen ein angemessenes Honorar sichern sollten, wurden übrigens vom BDZV im März 2017 einseitig aufgekündigt (nicht, dass sich alle seine Mitglieder wenigstens vorher an die Vereinbarung gehalten hätten). Dies hat die Verbände aus Sicht der Freien als zahnlose Tiger bloßgestellt und die Verlage als … na ja, urteilen Sie selbst.

Wenn Sie also Leser_in, Abonnent_in oder Werbepartner_in sind, dann fragen Sie doch mal bei Ihrer Lokalzeitung nach, wo Ihr ganzes schönes Geld eigentlich genau hingeht. Zu den freien Journalist_innen, also denen, die zu einem Drittel oder mehr Ihre Tageszeitungen überhaupt erst erschaffen und sie interessant und lesenswert machen, jedenfalls nicht.

Oder anders gesagt: Wollen Sie guten, kritischen, relevanten, interessanten und lesbaren Tagesjournalismus? Reicht es Ihnen aus, über die Wiederwahl des Bürgermeisters zu lesen, oder möchten Sie auch wissen, wie bestechlich er in Wirklichkeit ist und was aus seinen Wahlversprechungen geworden ist? Möchten Sie wissen, welche realen Auswirkungen Windräder, Fracking, Wölfe und die Trinkwasserbelastung mit Antibiotika aus der Massentierhaltung für Sie vor Ort haben könnten oder möchten Sie nur die Zitate der Profiteur_innen dazu lesen? Möchten Sie wissen, was aus dem lokalen Wirtschaftsskandal des letzten Jahres geworden ist? Und woher die Gelder des lokalen Unternehmens, das gerade so großzügig für den Ausbau der KiTa gespendet hat, wirklich kommen? Möchten Sie bundes- oder weltweit diskutierte Themen auf Ihre lokalen Verhältnisse heruntergebrochen sehen oder genügt es Ihnen, zu lesen, was eine Zentralredaktion oder Agentur ganz Deutschland in die Tageszeitungen schickt?

Sie als Leser_in entscheiden: Was wollen Sie zukünftig in Ihrer Tageszeitung lesen?

Möchten Sie sichergehen, dass nicht der lokale Bürgermeister bestimmt, was in der Zeitung steht, sondern erfahrene freie und feste Journalist_innen? Möchten Sie sichergehen, dass Ihre Tageszeitung nicht nur Agenturmeldungen ungeprüft übernimmt, sondern eigenständig, unabhängig und korrekt recherchiert und Ihnen auch die unbequemen Fakten mitteilt? Möchten Sie Ihre Zeitung als die vierte Macht in Ihrer Stadt, Ihrem Ort, Ihrer Gemeinde sehen, als Informationsmedium und Korrektiv zugleich?

Möchten Sie, dass Ihre Tageszeitung genau das tut, wozu sie da ist: Missstände aufzudecken, Gegebenheiten zu hinterfragen und Kritik zu üben?

Dann sollten Sie Ihre Tageszeitung unterstützen. Durch Abos, durch Werbung. Und vor allem durch die Forderung nach angemessenen Honoraren und Gehältern für die freien Journalist_innen.

Denn sonst werden Sie in Ihrer Tageszeitung in Zukunft nur noch lesen, was der Schützenvereinsvorstand selbst über seine eigene Mitgliederversammlung schreibt; was die Schülerin vom Reitturnier am Wochenende, bei dem sie selbst den zweiten Platz belegt hat, berichtet und was Ihr Nachbar bei der Pilzwanderung am Mittwoch gesammelt und wen er dabei alles kennengelernt hat und was die beim Wandern so alles von ihren Krankheiten erzählt haben.

Sie als Leser_in entscheiden: Was wollen Sie zukünftig in Ihrer Tageszeitung lesen?

 

 

Birte Vogel

Ich bin freie Journalistin & Autorin, schreibe heute aber aus Selbsterhaltungstrieb nur noch Texte für Unternehmen. Ich ghoste Sachbücher und coache Unternehmer_innen von der Idee bis zum fertigen Buch (demnächst auch hier vor Ort auf der Nordseeinsel Amrum). Und ich berate Journalist_innen, wie sie aus ganz guten Porträts herausragende machen können.
Kontakt:
Tel.: 04682 – 96 842 37
E-Mail: post[at]birtevogel.de

6 Gedanken zu “Wer macht den Journalismus kaputt?

  1. Hallo Birte, danke für den Text und das Anprangern der Missstände. Sollte es nicht irgendwo eine Stelle im Netz geben, wo solche detaillierten Aufstellungen zu Honorar und Arbeitszeit zusammengetragen werden? Oder gibt es die bereits (@Freischreiber?) und ich kenne sie nicht? Transparenz ist der erste Schritt zur Besserung! LG, Gunther

  2. Wir arbeiten gerade an einem neuen Honorar-Tool, die Veröffentlichung wird allerdings noch etwas dauern. Das tumblr haben wir abgeschaltet, weil über Monate ein Bug nicht repariert worden ist. So war es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, die Klarnamen der Eintragenden zu sehen… LG, Yvonne

    • Echt, wenn ich Frauen und andere Geschlechter sprachlich sichtbar mache, bist Du als Mann gleich genervt? Und kannst nicht akzeptieren, dass wir Frauen das Recht haben, mitgesprochen, mitgeschrieben und mitgedacht zu werden? Klar ist das jetzt noch nicht ideal. Aber wir stehen damit erst am Anfang – also, her mit den viel besseren Vorschlägen (die nicht das generische Maskulinum sind)! Die Akzeptanz dieser Sichtbarkeit ist übrigens nur eine Frage der Gewohnheit. Die gute Nachricht ist also: Bald wird es Dich nicht mehr nerven. 😉

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