Porträts schreiben: Im ersten Interview (besonders, wenn es das einzige ist) sollte man das Steuer in der Hand behalten. (Foto: sokaeiko / pixelio.de)

Porträts schreiben – Das erste Interview (10)

Porträts schreiben: Im ersten Interview (besonders, wenn es das einzige ist) sollte man das Ruder in der Hand behalten, aber nie zu fest. (Foto: sokaeiko / pixelio.de)
Porträts schreiben: Im ersten Interview (besonders, wenn es das einzige ist) sollte man das Ruder in der Hand behalten, aber nie zu fest. (Foto: sokaeiko / pixelio.de)

Für viele, die Porträts schreiben, ist das erste Interview nicht nur das erste Gespräch mit ihrem Gegenüber, sondern auch zugleich das einzige. Die Informationen, die Sie in diesem Gespräch bekommen, sind dann alles, was Sie bekommen können. Entsprechend gut muss das Interview laufen.

Damit das klappt, werden Sie sich gut vorbereitet haben, Sie werden genügend Ersatzstifte sowie Ersatzgeräte und Batterien für die Tonaufnahme dabei haben, ggf. auch einen Fotoapparat, falls Sie etwas als Gedächtnisstütze fotografieren möchten. Sie werden auf Ihr Äußeres geachtet haben, ihre Informationen und Fragen noch einmal durchgegangen sein und sich auch noch einmal Ihre Haltung klargemacht haben, selbst wenn Sie bereits ein Vorgespräch geführt haben. Und dann sollten Sie absolut pünktlich zu Ihrem Termin erscheinen. Manche erscheinen auch etwas früher, um sich vorab noch Notizen zur Umgebung zu machen.

Ob Sie ein Vorgespräch hatten oder nicht – Sie sollten zu Beginn versuchen, eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Ein lockeres Gespräch, ein bisschen Smalltalk hilft Ihnen und Ihrem Gegenüber, u. a. die Nervosität (so vorhanden) einzudämmen.

Lassen Sie das Gespräch auch mal laufen

Arbeiten Sie dann nicht einfach stur Ihren Fragenkatalog ab, denn so bekämen Sie nichts weiter als Interviewantworten. Wenn Sie mehr über den Menschen wissen wollen, der Ihnen gegenüber sitzt, dann führen Sie ein Gespräch mit ihm – das heißt, kein Frage-Antwort-Pingpong, sondern eine fast normale Unterhaltung. In der Sie allerdings das Ruder in der Hand behalten, also Ihre Fragen, Ihren Fokus nicht aus den Augen verlieren sollten. Lassen Sie das Gespräch aber auch mal laufen – gerade dann, wenn es läuft, erfahren Sie am meisten über die andere Person. Und nur wenn es läuft werden Sie die Geschichte hinter der Fassade und bislang Unbekanntes oder Überraschendes erfahren können. Seien Sie deshalb auch bereit, ggf. ganz von Ihren vorbereiteten Fragen und Ihrem Fokus abzusehen, wenn sich etwas anderes Spannendes oder Interessantes ergibt.

Halten Sie im Gespräch immer wieder Blickkontakt – das Gespräch aufzunehmen, anstatt mitzuschreiben, kann dabei sehr hilfreich sein. Bei ehrlichem Interesse und Konzentration auf das Gespräch passiert das in der Regel automatisch. Beobachten Sie aber auch, was vor sich geht: im Gesicht Ihres Gegenübers, in der Stimme und Tonlage, in den Bewegungen und Blicken, in der Umgebung. Vieles davon werden Sie nicht nutzen, doch wird einiges schon allein über Ihre Wortwahl und den Sound des Porträts für die Leser_innen erspürbar sein werden.

Machen Sie sich sofort nach dem Gespräch Notizen

Sollten Sie zu diesem Termin schon eine Fotografin oder einen Fotografen dabei haben, sollten diese in jedem Fall mit der Kulisse verschmelzen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie von ihr oder ihm die bei Porträts absolut notwendige Sensibilität und Diskretion erwarten können, nehmen Sie sie nicht mit zum Interview, sondern vereinbaren Sie einen separaten Fototermin. Das Ideal ist – zumindest, wenn Sie keine gestellten Fotos haben möchten –, dass Sie und Ihr Gegenüber so konzentriert sind (und sein können), dass Sie das Fotografieren gar nicht mitbekommen und erst beim Abspielen der Tonaufnahme feststellen, wie häufig das Kameraklicken darauf zu hören ist.

Wenn das Interview vorbei ist, sollten Sie sich sofort (noch vor der Abfahrt bzw. sofort nach Verlassen des Treffpunkts) noch einmal ganz in Ruhe hinsetzen und sich erste Notizen zu allem machen, was Ihnen zu dem Interview einfällt, egal wie unbedeutend es Ihnen in diesem Moment erscheinen mag. Diese Dinge sind in der Regel das Erste, was man wieder vergessen hat. Doch einige dieser Details können für die Dreidimensionalität Ihres Porträts entscheidend sein.

Birte Vogel

Ich bin freie Journalistin & Texterin und schreibe Pressetexte, Webtexte, Imagetexte, Reden, Fach- und Sachbücher, Handouts, Newsletter, Broschüren, Editorials, Porträts, Kolumnen, Blogtexte, Biografien, Chroniken u. v. m. für Medien, Selbstständige und Unternehmen.

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