Flüchtlingsheime brennen, und Angela Merkel schweigt. (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Flüchtlingsheime brennen, und die Kanzlerin schweigt

Seit sieben Monaten schweigt Angela Merkel zu den rasant angestiegenen Zahlen der Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime im Land. Nicht einmal dann, wenn sie direkt auf diese Gewalt angesprochen wird, bringt sie es über sich, Stellung zu nehmen. Eine unverantwortliche und absolut inakzeptable Haltung.

Flüchtlingsheime brennen, und Angela Merkel schweigt. (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)
Flüchtlingsheime brennen, und Angela Merkel schweigt. (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Als die Journalistin Tina Hassel Bundeskanzlerin Merkel im ARD-Sommerinterview am 12. Juli 2015 zum Thema Flüchtlinge befragte, sprach diese von einer „Lastenverteilung“, die innerhalb der EU besprochen werden müsse. Mit „Lasten“ meinte sie die Flüchtlinge, also Menschen. Und zwar Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Aussichtslosigkeit fliehen und dabei alles hinter sich lassen müssen, Heimat, Besitz, Familie, Beruf, soziales Netzwerk und Kultur. Menschen, die mit einer Plastiktüte voll Wechselkleidung, und oft nicht einmal damit, hier ankommen, in der Hoffnung auf Frieden, auf Ruhe und auf die Chance, ein ganz normales Leben zu führen.

Hassel setzte nach – es herrsche eine Stimmung gegen Flüchtlinge und es hätten auch an jenem Wochenende wieder Flüchtlingsunterkünfte gebrannt.

„Was wollen, was können Sie tun“, fragte sie Merkel, „um ein anderes Klima, um eine andere Akzeptanz zu schaffen?“

Die Antwort der Kanzlerin war bemerkenswert: Bund, Länder und Kommunen müssten sehr eng zusammenarbeiten (haben sie das bisher etwa nicht getan? Ist das nicht selbstverständlich?). Asylanträge müssten schneller bearbeitet werden (wie soll das gehen, wenn der Bund kaum Geld bereitstellt?). Auf diese Weise, befand sie, würde die notwendige Akzeptanz entstehen. Und weil 40-50% der Flüchtlinge aus den Balkanländern kämen, verstünde sie, „wenn [die Menschen] sagen, Ihr müsst hier so handeln, dass die Kommunen nicht belastet werden.“

Rechtsextreme genießen unter Merkel Welpenschutz

Was Angela Merkel sagte und noch viel mehr das, was sie nicht sagte, deutet darauf hin, dass sie scheinbar auch Verständnis für Menschen hat, die Seite an Seite mit Nazis durch die Städte ziehen und ganz öffentlich gegen andere Menschen hetzen, die Flüchtlinge überfallen und Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Zumindest hat sie nicht so viel gegen sie, dass sie deren Handeln wieder und wieder deutlich hörbar verurteilen würde. Denn sonst täte sie es ja.

Maximilian Popp fragt nun völlig zu Recht auf Spiegel Online:

„Einmal angenommen, militante Islamisten würden im Internet gegen Deutsche hetzen. Würden damit drohen, Bundesbürger wie „Maden auszulöschen“. Einmal angenommen, dieselben Islamisten würden Anschläge auf Wohnhäuser von Deutschen begehen, würden Feuer legen, Passanten auflauern. Jeden Tag. Monatelang. Wie wären wohl die Reaktionen in diesem Land? Würde Angela Merkel weiterregieren, als wäre nichts geschehen? Würden manche ihrer Parteifreunde um „Verständnis für die Sorgen“ der Islamisten werben? Zum „Dialog“ aufrufen?“

 

So weit ist es unter Merkel gekommen: Flüchtlinge sind Lasten, Rechtsextreme genießen Welpenschutz.

Merkel hat aus Rostock-Lichtenhagen nichts gelernt

Seit Dezember 2014 hat sich die Bundeskanzlerin m. W. nicht mehr öffentlich dazu geäußert, dass immer mehr Gewalttätige schutzbedürftigen Flüchtlingen Leid antun und den Tod vieler Menschen in Kauf nehmen, wenn sie Brandsätze in deren bewohnte Unterkünfte werfen. Unfassbare 173 Straftaten gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte gab es bislang im ersten Halbjahr 2015 – gegenüber 175 im ganzen Jahr 2014 (s. Spiegel Online).

Kein einziges Wort dazu von der Frau an der Spitze dieses Landes.

Dabei hatte Hassel ihr mit ihrer Frage die perfekte Möglichkeit dazu geliefert, sich endlich einmal dazu zu äußern, dass schon wieder Häuser in Deutschland brennen. Doch die Kanzlerin zieht es offensichtlich vor, die Brände hinzunehmen und die Verantwortung für den gerade einmal 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs schon wieder extrem zunehmenden Rassismus in Deutschland anderen in die Schuhe zu schieben.

Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda sind näher als wir denken. Und die Politik und Angela Merkel haben ganz offensichtlich absolut nichts daraus gelernt.

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Wenn Sie Flüchtlingen helfen möchten, finden Sie auf wie-kann-ich-helfen.info eine erste Übersicht von Hilfsprojekten für Flüchtlinge in ganz Deutschland.

Birte Vogel

Ich bin freie Journalistin & Texterin und schreibe Pressetexte, Webtexte, Imagetexte, Reden, Fach- und Sachbücher, Handouts, Newsletter, Broschüren, Editorials, Porträts, Kolumnen, Blogtexte, Biografien, Chroniken u. v. m. für Medien, Selbstständige und Unternehmen.

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4 Gedanken zu „Flüchtlingsheime brennen, und die Kanzlerin schweigt

  1. Update:

    Acht Monate und mehrere Wochen nach ihrer letzten Wortmeldung zum Thema und nach zahllosen Anschlägen und Übergriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte lässt Angela Merkel nun doch ihren Regierungssprecher das Thema aufgreifen und diese Gewalt verdammen: https://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Artikel/2015/08/2015-08-24-heidenau-vorab.html

    Dass sie nicht selbst vor die Presse tritt, um sich solchermaßen zu äußern – was sehr viel mehr Gewicht hätte –, ist allerdings auch wieder ein deutliches Statement.

  2. Liebe Birte Vogel,
    danke für Ihre offenen und wahren Worte, das nenne ich freien Journalismus…

    Wo wird der Unterschied deutlicher als in so einem klaren, realitätsbezogenen Artikel von Ihnen und der Mainstream-Presse, die sich nur noch an der servilen politik-gehorsamen Nabelschnur entlanghangelt..

    Bitte, weitermachen in diesem Sinne und mit diesem Sachverstand, frei Journalisten braucht das Land….!

    Herzliche Grüße
    Petra Stöhr

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